Praxis-Schmidt-Momsen.de: Praxis für Kinderheilkunde und Kinder- Jugendpsychiatrie, Herdecke 
 

ADS/ADHS Hyperaktivität

ADHS, ADS, Aufmerksamkeitsstörung, Hyperaktivität…

…bezeichnen die gleiche Problematik. (ADS: Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom; ADHS: Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom). Etwa 4-6 % der deutschen Kinder und 1,5-5% der Erwachsenen sind betroffen, dabei Jungen und Mädchen in etwa gleich häufig! ADHS ist zu etwa 60-80% erblich; die Genetik ist aufgeklärt. Die Symptomatik beginnt spätestens mit dem 7. Lebensjahr – ein deutlich späterer Beginn spricht gegen die Diagnose.

Kernproblem ist die Impulsivität; der „Wille hat keine Bremse. Die Betroffenen handeln daher ohne vorher nachzudenken, können nicht gut warten, wirken oft dominant und sind in der Folge unbeliebt und stigmatisiert. Das Unfallrisiko ist dreimal so hoch wie im Bevölkerungsdurchschnitt. Im Umgang mit ihren Emotionen sind sie oft unbeherrscht mit der Neigung zu Affektlabilität und Wutausbrüchen (die aber meist schnell wieder vergehen). Im Denken zeigen sich Probleme in der Konzentration (selektive Aufmerksamkeit ist eine Leistung der Impulssteuerung!); die Betroffenen konzentrieren sich auf alle Außenreize gleichmäßig (Folge: Schulprobleme, Ablenkbarkeit). Manche von ihnen haben aufgrund der Aufmerksamkeitsstörung selbst nur eine eingeschränkte Wahrnehmung ihrer Problematik; andere beschreiben einen erheblichen Leidensdruck, etwa mit Worten wie „mir misslingt immer alles, „ich wollte ich wäre anders. Nur ein Teil der Betroffenen ist auch motorisch unruhig („hyperaktiv). Man kann auch ohne äußere Unruhe von ADHS betroffen sein, und trotz Unruhe kann es sich um eine andere Problematik handeln. Bei Erwachsenen stehen oft andere, als Folge oder in Kombination mit ADHS auftretende Symptome im Vordergrund (z.B. Ängste, Depressionen, Zwänge, sekundäre Traumatisierungen, Sozialverhaltenstörungen).Nach neuesten Erkenntnissen scheint zumindest eine geringe ADHS-Restsymptomatik meist bis ins Erwachsenenalter fortzubestehen.

Es gibt keine Tests, mit denen man ein ADHS zweifelsfrei nachweisen oder sicher ausschließen kann. Die Diagnose wird anhand klinischer Symptome gestellt, wobei die Symptomatik an mehreren Orten unabhängig voneinander länger als 6 Monate aufgetreten sein muss. Daher sind Fremdbeurteilungen (Lehrer- oder Erzieherurteile) wichtig. Unterstützt wird die Diagnostik in der Regel durch Intelligenz- und Konzentrationstests. Bei ADS oder ADHS liegt zwischen der Intelligenz- und der Konzentrationsleistung häufig eine deutliche Diskrepanz (allerdings nicht immer, da Tests z.B. den Schulalltag nur zum Teil abbilden können). Eine fundierte Diagnostik erfordert einen erheblichen Zeitaufwand und entsprechende klinische Erfahrung.

Andere Störungen, die ähnliche Symptome verursachen können, sind z.B. Leistungsängste mit Konzentrationsblockaden, autistische Störungen sowie frühkindliche Traumatisierungen oder Bindungsstörungen. ADHS ist kein Erziehungsfehler – auch wenn manche Eltern aufgrund der genetischen Komponente ebenfalls betroffen sein und entsprechend impulsiv in der Erziehung reagieren können.

Die Therapieoptionen sind vielfältig. Im Alltag raten wir ggf. zu einer deutlichen Einschränkung von Fernsehen und Computerspielen und Vermeidung aggressiver Inhalte (oft auch in Kindersendungen des Nachmittagsprogrammes!), da diese erwiesenermaßen (Studienlage, Stand der Forschung) Impulsivität fördern und Lernleistungen behindern. Hilfreich ist auch ein strukturierter Tageslauf (z.B. gemeinsame Mahlzeiten und Aktivitäten) und- soweit möglich – vorhersagbares, sachliches Verhalten der Erziehenden (im Alltag ist dies oft eine wirkliche Herausforderung!) sowie Lern- und Hausaufgabenkontrollen. Nach dem Stand der Forschung (MTA-Studie 1999) sind Medikamente (Stimulanzien) und Verhaltenstherapie in Kombination am wirksamsten – erstere wirken eher auf die Aufmerksamkeitsstörung, letztere (in Zusammenarbeit mit Eltern oder Bezugspersonen) auf das Sozialverhalten. Spezifische Aufmerksamkeitstrainings können die Therapie ergänzen. Auch viele Erwachsene können von spezifischer Behandlung gut profitieren.

Aus Sicht der anthroposophischen Menschenkunde und Medizin gibt es eine Reihe weiterer konstitutioneller Überlegungen zur Hyperaktivität, die wir Ihnen gern im persönlichen Gespräch erläutern. Aus einer erweiterten Betrachtungsweise ergeben sich zusätzliche Therapiemöglichkeiten, z.B. Konstitutionstherapie, Nahrungsergänzung, künstlerisch-übende Verfahren, Ergotherapie, Osteopathie etc. 

Literatur (Auswahl)

    1.Aust-Claus, E.; Hammer, P.M.: Das ADS-Buch. Aufmerksamkeits-Defizit- Syndrom. Neue Konzentrations- Hilfen für Zappelphilippe und Träumer. 3. A. Ratingen: Oberstebrink, 2000.
    2.Barkley, R.A.: Das große ADHS- Handbuch für Eltern. 2005
    3.Döpfner, M.; Schürmann, S.; Frölich. J.: Trainingsprogramm für hyperaktive und oppositionelle Kinder. Weinheim: Psychologie Verlags- Union Beltz, 2002.
    4.Döpfner, M., Schürmann, S., Lehmkuhl, G.: Wackelpeter und Trotzkopf. 3. A. Beltz PVU 2006
    5.Imhof, M., Skrodzki, K., Urzinger, M.S.: Aufmerksamkeitsgestörte, hyperaktive Kinder und Jugendliche im Unterricht. Hrg. vom Staatsinstitut für Schulpädagogik und Bildungsforschung. 3. A. Donauwörth: Auer, 2000.
    6.Krause, J., Krause, K.H.: ADHS im Erwachsenalter. 2004
    7.Lauth, G.W.; Schlottke, P.F.: Training mit aufmerksamkeitsgestörten Kindern. Beltz PVU 2002
    8.Neuhaus, C.: Das hyperaktive Kind und seine Probleme. Berlin: Urania, 2002.
    9.Neuhaus, C.: Hyperaktive Jugendliche und ihre Probleme. Berlin: Urania, 2000.

© Dr. Arne Schmidt 2007
 

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